moserêthikê
 
Ich musste erst das große Meer überqueren, um wieder die Zuversicht zu finden, dass ich es auch dann schaffen werde, wenn ich bei allen Tänzen vor Personalern stolpere und auf den Boden knalle. Dass ich es dann eben allein schaffe.

Und ich musste auch erst auf dem Campus Harvards stehen - bei Sonnenschein, mit einem angenehmen Wind, mit dem Vibrieren von eifrigen Studenten, Wissensdurst, Ehrgeiz und Stolz in der Luft - um mir ganz sicher sein zu können, dass meine Entscheidungen wirklich richtig für mich waren, dass ich so ein Leben als Beruf nicht führen möchte.
Dass nicht dieses Leben das ist, was mir fehlt, sondern das Erleben von Konzentration und das Gefühl des Eroberns, wenn man griechische Texte liest. Doch das kann man ändern.

Und ich ließ den Campus hinter mir.






 
(idiotisch sein kann ich dann doch recht gut)






 






 
Und in der einen Stunde, in der ich unter Anleitung einer Weltmeisterin lerne, mich auf Skiern auf dem Wasser zu halten, in der ich zuerst literweise Seewasser trinke, es dann zwar nicht schaffe, ganz aufzustehen, aber es schaffe, gehockt über das Wasser zu brausen, dabei den Druck unter den Skiern spüre, den Druck des Wassers gegen meinen Körper, und ich mich immer wieder ermahne zu atmen, einfach zu atmen, und mich vor allem ermahne, nicht an ein Schwanken zu denken, nicht an die Geschwindigkeit - und dass dies klappt, bis ich eine Kurve nicht packe, und ich dann zitternd mit weichen Beinen und voller Glück und Stolz auf mich selbst im Boot sitze, das mit 60km/h übers Wasser fliegt, so dass wir alle lachen müssen und uns irre fühlen für einen Moment - ja, in dieser Stunde ohne Nachdenken und ohne Krankheiten, Tod und Trauer, wurde auch etwas von allem Schweren weggewaschen.






 
Auf dass dein Denken jetzt wieder frei ist. Auf jeden Fall Ruhe.






 
Wie einen die selbst gewählte Form zuweilen bedrängt, bedrückt und belastet. Denn manchmal möchte man anders schreiben, in anderer Form, mehr Einfachheit finden. Und dann traut man sich nicht. Denn sonst wäre alles dahin. Die Form.






 
Nur mein Verstand weiß, dass Dinge nicht ewig sind, das Gute wie das Schlechte. Mein Gefühl flüstert ohne Pause "immer", als Wunsch und als Angst.







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