moserêthikê
Wenn einen hervor gekramte Kindheitserinnerungen nicht mehr loslassen: Magendrücken vor dem Sportunterricht. Wir, die wir kein „wir“ waren, mussten durch einen Gang, der auf dem Weg zur Aula lag, in diesen Raum gehen. Alte weiße Fliesen mit dreckigschwarzen Fugen an der Wand, alte braune Fliesen auf dem Boden. Der normale Verschwitzte-Kinder-Kreide-Bohnerwachs-Schulgeruch ging hier über in einen kalten Geruch nach liegengebliebener Sportkleidung. Alles roch ungewaschen und zitternd. Wenn man Glück hatte und schnell genug war, bekam man einen Platz ganz in der Ecke auf der langen niedrigen Holzbank. Der Zwang dann, sich vor einander umzukleiden. Sich vollständig preisgeben zu müssen in einer Gruppe von Menschen, denen man tagtäglich ausgeliefert war, die keine Grenzen kannten, keine Scham, von denen wenige ein dickes Fell gegen Grenzüberschreitungen hatten, Angriff war die beste Verteidigung, Erwachsenwerden ist gut. Niemals wieder Kind sein wollen. Das Gefühl dann, in dieser Kleidung durchs Haus laufen zu müssen, entblößt, seiner Waffen, seiner Schutzkleidung beraubt. Die Sporthalle war wenigstens ein nach außen geschützter Raum. Den inneren Kampf mit seinen Bünden, Angriffen, Hänseleien, Einsamkeiten und Triumphen war man gewohnt.







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